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Wie wird Klopapier hergestellt? Von der Faser bis zur fertigen Rolle

Toilettenpapier ist ein technologisches Meisterstück der Verfahrenstechnik. Dieser Guide führt dich durch die gesamte Produktion: Wir erklären die Pulper-Phase, das Geheimnis des Yankee-Zylinders und warum die Prägung weit mehr als nur Deko ist.

Fertigungsanlage Toilettenpapier
Moderne Fertigungsanlage bei Kairui/China, einem der grösten Hersteller der Welt.

Toilettenpapier ist ein technologisches Wunderwerk der Verfahrenstechnik. In modernen Papierfabriken rasen Papierbahnen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2.000 Metern pro Minute durch Anlagen, die so lang sind wie zwei Fußballfelder. Dabei entscheiden Physik und Chemie auf mikroskopischer Ebene darüber, ob das Papier kratzt oder wie Samt über die Haut gleitet.


1. Die Rohstoff-Basis: Die DNA der Weichheit

Jeder Herstellungsprozess beginnt mit der Auswahl der Fasern. Man unterscheidet heute drei Hauptquellen, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften mitbringen:

  • Frischzellstoff (Virgin Fiber): Wird meist aus Eukalyptus (kurze Fasern für Weichheit) oder Nadelhölzern (lange Fasern für Reißfestigkeit) gewonnen. Er ist die Basis für das klassische "Ultra-Soft"-Papier.
  • Recycling-Fasern: Bestehen aus aufbereitetem Altpapier. Die Herausforderung: Fasern werden bei jedem Recycling-Vorgang kürzer. Ohne innovative Aufbereitung (Recycling 2.0) kann das Papier steifer wirken.
  • Alternative Fasern (Stroh & Bambus): Die ökologische Revolution. Besonders Weizenstroh ist als Koppelprodukt der Landwirtschaft unschlagbar, erfordert aber technologisches Fingerspitzengefühl bei der Entsilizierung.

2. Der industrielle Prozess: Schritt für Schritt

A. Die Pulper-Phase: Der "Faser-Smoothie"

In einem riesigen Mixer (Pulper) werden die Rohstoffe mit Wasser vermengt. Es entsteht eine Suspension.

Experten-Fakt: In dieser Phase besteht die Mischung zu ca. 99 % aus Wasser und nur zu 1 % aus Fasern. Nur durch diese enorme Verdünnung können sich die Fasern später absolut gleichmäßig auf dem Sieb verteilen – die Voraussetzung für ein Blatt ohne Löcher.

B. Die Siebpartie: Die Entwässerung

Die Suspension wird über eine Stoffauflaufdüse auf ein extrem schnell umlaufendes Endlossieb gespritzt. Das Wasser flieht durch die Zentrifugalkraft und Vakuum-Saugkästen nach unten ab, während die Fasern verfilzen.

C. Das Herzstück: Der Yankee-Zylinder und das "Kreppen"

Die noch feuchte Papierbahn trifft auf den Yankee-Dryer – einen dampfbeheizten Hochleistungszylinder mit bis zu 5 Metern Durchmesser. Das Papier trocknet in Sekundenbruchteilen und wird dann mit einer scharfen Stahlklinge (Schaber) vom Zylinder abgelöst. Dieser Moment ist entscheidend: Durch das Abscharben wird das Papier gestaucht. Es entstehen winzige Falten. Dieser Vorgang heißt Kreppen. Ohne ihn wäre Toilettenpapier so hart und unnachgiebig wie Backpapier.


3. Die Veredelung: Wo die Lagen "heiraten"

Nach dem Trocknen liegt das Papier als "Mutterrolle" (Jumbo Roll) vor, die mehrere Tonnen wiegt. In der Konfektionierung passieren die Schritte, die das Produkt im Supermarktregal definieren:

  1. Laminierung: Mehrere Lagen werden zusammengeführt. Damit sie nicht auseinanderfallen, werden sie punktuell verleimt oder rein mechanisch durch hohen Druck miteinander verbunden.
  2. Prägung (Embossing): Stahlwalzen pressen Muster in das Papier. Das ist keine Deko! Die Prägung erzeugt Luftpolster, die das Papier weicher machen und die Saugkapazität massiv erhöhen.
  3. Perforation: Die Abreißkante wird eingestanzt. Die Kunst besteht darin, die Perforation so zu wählen, dass sie beim Abrollen hält, aber beim gezielten Zug sauber reißt.

4. Die Physik des Wischens: Technische Kennzahlen

Qualität ist messbar. Die Industrie nutzt mathematische Formeln, um das perfekte Gleichgewicht zwischen Weichheit und Stabilität zu halten. Eine der wichtigsten Kennzahlen ist die Spezifische Zugfestigkeit (S):

S=w⋅gF​

Wobei:

  • F = Bruchlast (in Newton)
  • w = Breite der Probe (in Meter)
  • g = Flächengewicht (Grammatur in g/m2)

Ein optimales High-End-Blatt muss trotz hoher Weichheit eine definierte Zugfestigkeit aufweisen, damit es im Gebrauch nicht reißt.


5. Aha-Momente: 3 Fakten für den Smalltalk

  • Die 100-km/h-Grenze: Moderne Papiermaschinen produzieren so schnell, dass eine einzige Anlage pro Tag eine Papierbahn ausspucken kann, die von Hamburg bis nach Rom reicht.
  • Der Wasser-Kreislauf: Eine moderne Fabrik verbraucht für ein Kilo Papier deutlich weniger Wasser als früher, da das Wasser heute, zumindest in Europa, in geschlossenen Kreisläufen bis zu 10-mal gereinigt und wiederverwendet wird.
  • Kein Kleber-Ende: Das letzte Blatt an der Rolle wird bei Premium-Marken oft nur mit einem Tropfen Wasser fixiert. Die Wasserstoffbrückenbindungen der Fasern reichen aus, um das Blatt festzuhalten – ganz ohne Chemie.

FAQ: Das Wichtigste der langen Rolle in Kürze

Ist Recycling-Klopapier unhygienischer? Nein. Durch die hohen Temperaturen beim Trocknen am Yankee-Zylinder (über 100°C) wird das Papier praktisch sterilisiert. Keime haben keine Chance.

Warum wird Klopapier meist gebleicht? Bleichen dient nicht nur der Optik. Es entfernt das Rest-Lignin aus den Fasern. Ohne diesen Schritt würde das Papier unter Lichteinfluss schnell gelb und brüchig werden wie eine alte Zeitung.

Kann man Toilettenpapier aus jedem Holz herstellen? Theoretisch ja, praktisch nutzt man meistens Laubholz für die Weichheit und Nadelholz für die Reißfestigkeit. Die Mischung macht das perfekte Blatt.


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